Bücher drucken wie bei Gutenberg

Die beliebten Druck-AGs‘ an drei Fellbacher Grundschulen werden fortgeführt. Walter Bernard leitet diese Arbeitsgemeinschaften seit diesem Schuljahr an der Maickler-, Silcher- und Schillerschule. Dritt- und Viertklässler lernen hier die 500 Jahre alte Handwerkskunst des Buchdruckens.

Nach einem für ihn „anstrengenden Start“ bereitet es ihm inzwischen sehr viel Freude, Kindern diese Kunst von Johann Gutenberg zu lehren.

Im vergangenen Sommer sah es so aus, als ob die Druck-AGs aufgegeben werden müssten. Helmut Maile und seine Frau Traudl, die vor mehr als 20 Jahren an den Fellbacher Grundschulen diese AGs einführten, hörten aus Altersgründen auf. Der gelernte Schriftsetzer Maile hatte einst eine komplette Setzerei, Handdruckpressen und Bleisätze in die Schulen mitgebracht.

Diese Ausstattung war es, die den Schriftsetzer und Druck-Ingenieur Bernard hellhörig werden ließen. In der Fellbacher Zeitung las er zwar, dass ein Nachfolger gesucht wird. Er wollte jedoch nur die 60 Kilogramm schwere Handdruckpresse ausleihen, um für seine Enkelkinder ein Buch zu drucken. Er fragte die Rektorin der Maicklerschule Birgit Rombold um Erlaubnis und bot als

Die Rückseite des Buches ist fertig

Gegenleistung einmalig Projekttage für die Schüler an. Daraus wurde mehr. Inzwischen ist der 69jährige Bernard in Sachen Druck-AG in Mailes Fußstapfen getreten.

Der Anfang war keineswegs einfach. „Es hat mich schon sehr gefordert, zehn Kindern in geballter Form Rede und Antwort zu stehen“, sagt er. In den ersten Wochen wurde es für ihn eine Lernaufgabe, „die Kinder einfach machen zu lassen, auch wenn es aus der Sicht des Fachmanns besser gemacht werden könnte.“

Den jungen Druckern gefällt’s: Die Hände in Farbe tunken, Papierseiten verzieren, selbstentworfene Texte setzen und Bücher drucken, das macht Spaß. Im Herbst durften sie auch Laubblätter farbig drucken und Weihnachtskarten im Weißliniendruck-Verfahren fertigen. Dank der kräftigen Hilfe von Bernard halten die Schüler der Silcherschule ihr Buch „Frühling, Sommer, Herbst und Winter“ bereits in der Hand, ebenso die Kinder der Schillerschule ihr Buch „Obst ist gesund“. Die nächsten Druck-AGs laufen bereits, damit die Kinder der Warteschlange auch ihre Chance bekommen. Die Schüler der Maicklerschule haben für ihre Büchlein „Ich wollt ich wär …“ bis zum Sommer Zeit und steigen tiefer in die alte Handwerkskunst ein.

Vor sechs Jahren hatte Maile mit der Druck-AG der Silcherschule sogar einen Preis gewonnen. Das Buch „Mir druggad sogar schwäbisch“ wurde bei einem Wettbewerb des Arbeitskreises Mundart in der Schule als Sieger ausgezeichnet.

Die Druck-AGs sind für die Kinder kostenlos. Die Arbeitsgemeinschaften werden unterstützt von der Stabsstelle für Bürgerschaftliches Engagement der Stadt Fellbach, der Bürgerstiftung Fellbach und in diesem Jahr auch von der Buchbinderei Schmidgall.

So sehen die Bücher  aus

Walter Bernard