Abschied vom Zauberbeet

Der Feldsalat kommt auf Sarahs Balkon.

Ein Hochbeet wird gemeinsam zerlegt.

Vorsichtig hackt Sarah mit der Handschaufel den Feldsalat aus der gefrorenen Erde des Hochbeets. Sie setzt den jungen Salat in einen braunen Blumenkasten, damit er auf ihrem Balkon weiter wachsen kann. Auch das gemeinsame Hochbeet im Zauberbeet am Fellbacher Bahnhof wollen die  Hobbygärtner Sarah und Sven auf ihren Balkon umziehen. Die Himbeere kommt ebenfalls mit. Mühsam wird bei frostigen Temperaturen alles zerlegt.

Die beiden sind nicht die einzigen, die an diesem zweiten Adventssonntag wehmütig gestimmt sind. „Schade, dass es mit dem Gemeinschaftsgarten nicht weitergeht“, sagt Aira. Sie wohnt gleich um die Ecke und hat hier in ihrem Hochbeet zwei Sommer lang Blumen, Kräuter, Salat und Kartoffeln gepflanzt. Eine wertvolle Freundschaft wird sie mitnehmen. „Ich habe hier Anni und Inge kennengelernt, wir werden uns weiterhin treffen“, sagt sie. Die drei älteren Frauen haben sich beim gemeinsamen Gärtnern schätzen gelernt.

Was bleibt vom Zauberbeet nach zwei Sommern? Der elfjährige Konstantin erinnert sich: „Am besten hat mir das gemeinsame Frühstück gefallen.“ Gut fand er auch die Bohnen, die seine Mutter gepflanzt hatte. Zaher, der 2015 zusammen mit dem Freundeskreis Asyl ein gemeinsames und in diesem Sommer ein eigenes Beet bearbeitete, wird die Kontakte mit den anderen Gärtnern vermissen. In Syrien hat er blühende Sträucher wie Jasmin gepflanzt“, erzählt er in gutem Deutsch. Das hat er hier wiederholt.

Im Frühjahr 2015 hatte Birgit Held von der Stabstelle für Bürgerschaftliches Engagement der Stadt Fellbach zusammen mit Ehrenamtlichen das Zauberbeet am Fellbacher Bahnhof gestartet. Die Idee kam von der Architektin Mihriban Göknil-Vogt, die mit den Ehrenamtlichen viel Zeit und Engagement in dieses Projekt investierte. Viele Fellbacher Firmen, darunter die Landschaftsgärtnerei Schiller und Pflanzenkölle, haben mit Sachspenden großzügig unterstützt. Denn das Gärtnern war kostenlos.

Doch die zeitweise mehr als 20 Hobbygärtner wussten von Anfang an, dass das 360 Quadratmeter große Gelände am Bahnhof nur bis zur Bebauung zur Verfügung stehen wird. Ein Ersatzgrundstück konnte nicht gefunden werden. Deshalb wird der Gemeinschaftsgarten aufgelöst. Das kleine Segelboot und die schweren Bänke haben Leute von Gemeinschaftsgärten in Stuttgart geholt. Der markante bunte Wohnwagen will Birgit Held auf dem städtischen Bau- und Betriebshof lagern, bis er Einsatz bei einem neuen Projekt der Stabsstelle findet.

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